Die Saison 2010/11 ging gestern mit dem 30. Frankfurt Marathon zu Ende. Es war ein Rekordlauf. Zum ersten mal konnte am Starttag nicht nachgemeldet werden, da die höchste Starteranzahl mit 15000 Läufern bereits vorher gemeldet hatte.
Alles neu macht der Mai - nach diesem Motto verlief mein läuferischer Monat Mai bisher.
Nachdem ich eine Woche vor dem Rennsteiglauf schon beim 10er in Großkrotzenburg das neue Erlebnis "Mittendrin statt hinterher" erfahren durfte, gelang mir dies auch über die 21km beim Rennsteiglauf.
Aber zum Anfang zurück! Donnerstag Abend die Ankunft in Suhl und am Freitag Mittag mit Silvio erst nach Schmiedefeld um mein KFZ dort für den nächsten Tag abzustellen. In Schmiedefeld fiel mir beim Beobachten der "Zielzeitmattenaufbauer" auf, dass ich etwas wichtiges zuhause in 200km Entfernung vergessen hatte - meinen Championchip! Wie blöd kann man sein?!
In der Hoffnung, mir in Oberhof noch einen leihen zu können fuhren wir dorthin, holten meine Startunterlagen und ich bekam auch noch einen Chip geliehen. Die neue Chipnummer wurde dabei nur flux auf einen Blog geschrieben - der Grund für die nächste Aufgeregtheit: Wird das alles so funktionieren? Um es vorweg zu nehmen: Ja, es hat alles geklappt.
Nach etwas unruhigem Schlaf stand ich schon um 4:15Uhr am Samstag Morgen auf, was mich trotzdem nicht daran hinderte, in Zeitnot zu kommen um den Bus von Suhl nach Oberhof zu schaffen. Die Anspannung im Bus lag förmlich und wortwörtlich in der Luft. Voltarengetränkt, so dass eine Fußballerumkleide dagegen wie ein Douglas-Zug wirkte...
In Oberhof habe ich leider nicht einen einzigen Bekannten getroffen. In meiner Einsamkeit viel mir auf, dass ich entgegen meiner letzten Volkslauf-Halbmarathon-Teilnahmen diesmal rein gar nichts an Eigenverpflegung wie Gels oder Banane dabei hatte. So begab ich mich, ohne Warmlaufen, direkt in meinen Startblock - den letzten im Feld. Ich war relativ unaufgeregt. So blieben auch auf der Bundeststraße diesmal meine Gedanken "Ach Mensch, wärest du doch besser im Bett geblieben" aus. Ich freute mich schon auf den Wald und machte einer Berlinerin (hier muss ich mal kurz erwähnen, dass ich auf den 21km unwahrscheinlich viele Berlin/Brandenburger getroffen habe) , die sich über die gefühlte starke Steigung der Straße äußerte, klar dass der erste richtige und lange Anstieg gleich kommen würde. Sie quittierte es mit einem erstaunten Lächeln. Ich sah sie nie wieder...
Von da ging etwas los, dass ich bisher noch nie kannte. Ich überholte nur noch (bis auf ein paar sportive Spätstarter). Zur Mitte des Rennens kannte man sich dann schon, da sich einzelne Gruppen bildeten, die ungefähr gleich schnell liefen. Allerdings fand ich irgendwo in meinem Körper noch Reserven, die die verlorene Zeit an den Anstiegen wieder gut machen wollten. So lief ich selbst auf der zweiten Hälfte teilweise noch einen km-Schnitt von 6:30min auf den Geraden. Große Schritte waren noch möglich. Und das für mich, der in den letzten Jahren bei km16 schon geheulte hatte. Silvio weiß ein Lied davon zu singen... ![]()
Das einzige Mal habe ich auf der Schmücke auf meine Uhr geschaut. Dort wollte ich nach spätestens 1h15min sein. Dies gelang mir auf die Minute.
An den Verpflegungsstellen Schmücke und Kalte Herberge ließ ich nicht viel Zeit liegen. Nur kurz warmen Tee und einen Schluck Wasser + ein Stück Banane und weiter ging's. Ich brauchte auch nichts weiter. Mein Körper scheint sich mittlerweile dank meines Trainings umgestellt zu haben und weiß, dass er meine Reserven im Körper anzapfen kann, wenn er was braucht - also mein Fett - auch ein neues schönes Gefühl.
Der Anstieg Kalte Herberge war noch mal über 1km anstrengend. Wenn ich dort etwas mehr Gas hätte geben können, wäre ich vielleicht auch noch näher an die 2:30 dran gekommen - aber egal. Ab sofort ging's nur noch bergab und ich war immer noch mittendrin statt nur hinterher.
In's Ziel lief ich ohne Schmerzen leicht und locker, wie ich es ebenfalls noch nicht kannte. Ich musste bisher immer die letzten 200m kämpfen. Aber dieses Mal war alles anders. Ein angenehmer Zieleinlauf in Schmiedefeld nach 2h38m. Für mich eine neue Bestzeit - nicht nur in Schmiedefeld sondern überhaupt bei einem offiziellen Halbmarathon.
Überglücklich und vollster Zufriedenheit ließ ich mir meine erste Rennsteiglaufmedaillie umhängen.
Auf der Gepäckwiese bekam ich dann noch etwas ungewöhnliche Anerkennung zugesprochen. Ich war grad auf der Suche nach meinem Beutel (die Wiese habe ich noch nie so voll gesehen), als mir ein lauter Ruf ins Ohr schwebte: "Du bist ja der allerhärteste!" Ich drehte mich kurz rum und erkannte einen Mitläufer. Und dieser meinte mich! "Warum? Was habe ich getan?" erwiderte ich. "Jedesmal, wenn ich geglaubt hatte, dich abgehängt zu haben, bist du wieder an mir vorbei gelaufen! Alle Achtung - und das bei deinem Gewicht!" Wir lachten, wechselten noch ein paar Worte und stießen mit unserem leckeren Köstritzer auf unseren Erfolg an.
Dies war der erste Höhepunkt in diesem Jahr. Auch wenn es wieder nicht der Marathon war bin ich hochzufrieden und freue mich über meine Erfolge. Nun gibt es eine Woche Ruhe und dann beginnt die Vorbereitung auf den zweiten Jahreshöhepunkt:
BMW-Marathon-Frankfurt - du bist fällig!
Läuferische Grüße
Sven
Kommentare
Na bitte!
na siehste
Sehr, sehr klasse!
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