Das essen die lauffreund(.de)

Laufevents

Samstag, 25 Mai, 2013
Samstag, 8 Juni, 2013
Mittwoch, 21 August, 2013

Login

Erfahrungsbericht 40. Rennsteiglauf 2012 – mein erster Supermarathon am Rennsteig

 
 

Wann: 12.05.2012
Wo: Eisenach-Schmiedefeld
Distanz: Super-Marathon, 72,7km

Freitag, 11.05., 14:00 – der guten tradition halber fahre ich mit Sven die runde über Schmiedefeld und Oberhof, seine startnummer holen und ein auto deponieren - meine tüte gibt es morgen erst in Eisenach. nach dem 2011er debakel hatte ich mich entschieden, die „entgangenen“ km diesmal noch „draufzupacken“ und den ultra zu wagen.
die vorbereitung war gut gelaufen und so schaue ich frohen mutes nach vorn.  

Samstag, 12.05., 02:55, nach kurzer nacht mit vor aufregung wenig schlaf sitze ich nun vor einer portion milchnudeln, um die speicher noch ein bischen zu füllen - der tag wird lang und hart werden. 04:00 treffe ich mich mit dem team von photo-perfect-suhl um Mirko Leffler, die mich mit nach Eisenach nehmen.

05:15 – der Eisenacher marktplatz ist rappelvoll, mehr als 2.600 läufer haben für den langen kanten gemeldet. die stimmung ist locker und nicht so adrenalingeladen wie in Neuhaus, es wird nicht gesungen und nicht geschunkelt. das rennsteiglied läuft vom band so nebenbei. die ultras lassen es eher ruhig angehen.   

06:00 – der startschuß verhallt und es geht los, durch das mit luftmangel zusammenfallende starttor hindurch. hoffentlich geht mir heute nicht auch der atem aus. der hubschrauber knattert und trotz der frühen stunde zahlreich versammelte zuschauer spenden uns beifall auf dem weg aus der stadt.

jetzt geht es eine gefühlte ewigkeit nur bergan. es ist zwar etwas kühl, aber es soll doch trocken bleiben. zischenabschnitte wie der an der Glasbachwiese sind die bezeichnung crosslauf wert, über wurzeln und steine laufen wir stetig weiter bergan. ich habe meinen rythmus gefunden und liege gut in der zeit.
der anstieg zum Inselsberg ist unglaublich. alle fallen vom laufen ins gehen, erste problemchen kündigen sich an. oben sind es 4°C und der wind schneidet durch die nach 25km bereits völlig durchnäßte kleidung. funktionswäsche leitet zwar feuchtigkeit schnell nach außen, aber wenn so viel nachkommt, ist die auch irgendwann komplett naß.

auf einmal ist es da – das gefürchtete zucken im innenoberschenkel und der wade.
trotz höherer umfänge, viel erfahrung, ausreichend zu trinken und einer magnesiumkur im vorfeld schlägt der krampf wieder zu. glücklicherweise kann ich durch sofortiges gehen und beine ausschütteln das ganze wieder beruhigen und nach 2-3 min wieder in den laufschritt fallen. von nun an begleitet mich dieser wechsel bis zum schluß, an allen steigungen schießen mir leichte krämpfe in die beine, ich verhindere den kollaps durch konsequentes gehen.
intessanterweise ist auf geradeaus und bergab-passagen alles gut und ich hole immer wieder auf.

an jeder vepflegungsstelle trinke ich gesüßten tee, den kohlensäurehaltigen bechern traue ich bei dieser streckenlänge nicht über den weg.
nach 4h laufe ich hinunter auf die Ebertswiese, hier gibt es wieder eine zwischenzeitnahme, die hälfte ist geschafft – 37,5km. wenn mir jetzt einer das ziel auf marathon-distanz runtersetzen würde, ich würde dankend annehmen!
viele läufer lassen sich zeit, essen und trinken, auch ich fülle die speicher neu auf. ein wiener würstchen, eine scheibe brot, zwei becher tee.
dann geht es gleich wieder unerbittlich bergan. langsam wird das ganze zur kopfarbeit. ich sage mir immer wieder, dass ich das selber so wollte und nun auch irgendwie schaffen muß.

irgendwann werde ich dann auch von Mirko überholt, stetig entfernt er sich nach vorn. egal, ich laufe ja nicht gegen ihn, sondern für mich und möchte das heute mit erhobenem kopf über die bühne bringen.
auf den geradeaus und bergab stücken kann ich die landschaft und die grandiosen ausblicke sogar genießen, diese Rennsteigseite habe ich vorher nie besucht.
an den anstiegen versuche ich zumindest, schneller als die stöckles-bande zu sein, denn seit geraumer zeit begleiten uns die 35km Walker auf ihrer strecke von Schnepfental nach Oberhof. netterweise kommen wir uns nicht ins gehege, den läufern wird genügend platz zum passieren gelassen.

nach unglaublichen 06:10 und 55km komme ich an den grenzadler. hier besteht die möglichkeit zum zieleinlauf mit offizieller zeitnahme. ein blick nach links zeigt mir ein leeres zielgelände, ohne abbrecher, ohne spalier, ohne foto. schnell vergesse ich diesen gedanken wieder. geradeaus wird geklatscht, dort stehen die zuschauer, durchfroren und mit uns fühlend, dort ist auch der nächste verpflegungsstand, an dem ich zum wiederholten male nun zum fettbrot greife. das ist super-lecker und lässt sich mit warmen tee gut runterspülen.

jetzt greife ich auch zum telefon, und kündige mich mal unverbindlich meinen lieben zu hause an. mein schwiegervater ist bereits auf dem weg und will mich an der strecke abpassen. Dieter ist den Halbmarathon erfolgreich gelaufen und kommt mir nun kurz vorm Rondell Oberhof mit lauffreundin Christine entgegen. sie haben einen becher cola für mich, den ich gerne annehme. bis zum rondell begleiten sie mich, dort mache ich mich nach einem weiteren becher tee auf den schweren abschnitt zum Großen Beerberg auf den weg. das wird nochmal kochenhart aber auch mit einer super (Plänckners)aussicht nach Suhl belohnt.
diese strecke ist mir als hiesiger bestens vertraut, im bekannten muster hoch-gehen, runter-laufen komme ich der Schmücke immer näher. die zeitmatte bei 64km überlaufe ich nach 07:32 und bin frohen mutes, diesen ultra bald geschafft zu haben.

nun freue ich mich schon auf ein bier. nach dem Mordfleck nochmal bergan und dann stehen am Bierfleck (Kreuzwege) die becher schon bereit, mit köstlichem Köstritzer Schwarzbier. etwas stark geschäumt zwar, aber lecker. ich proste mit einer unbekannten läuferin und lasse mir den traditionellen schluck schmecken. den erhofften positiven effekt hat das heute zwar nicht, aber schlecht war es auch nicht.

jetzt geht es nur noch bergab, wir queren den Schmiedefelder Skihang. leider trägt der wind keinerlei geräuschkulisse aus dem zielareal herüber, wie ich das vom Marathon her kenne. Ich kann nochmal fahrt aufnehmen und quere die straße um halb drei. die letzten 2km fühlen sich an wie 5 und man erwartet intuitiv nach jeder kurve den zieleinlauf.

beim einlauf in den zielkanal entdecke ich sofort meine familie. beide kinder stehen an der strecke neben meiner Frau Katja und meiner Mutter. pünktlich waren sie wieder da, um meinen triumph mitzuerleben. völlig überwältigt laufe ich die letzten 150m spalier durch eine frenetisch jubelnde zuschauermenge, etliche bekannte (Danke Martin, Anja und Gotschi!!!) klatschen und freuen sich mit mir und meinen beiden kindern Johanna und Jannis, die ihren klatschnass verschwitzten papa bis ins ziel begleiten. die uhr bleibt bei fantastischen 08:36 stehen und die ersehnte Medaille wird mir von einem hübschen mädel um den hals gehangen.