Kurzer Nachbericht Bernau

Heute, nach 4 Tagen betrachtet, sieht alles schon wieder etwas anders aus.
Es war zwar im gegebenen Fall richtig, dass ich aufgehört habe, doch es wäre eigentlich ziemlich einfach gewesen, den Lauf mit einem ansprechenden Ergebnis zu beenden:

- etwas mehr Kilometer im Vorfeld
- deutlich langsamer angehen
- mal eine kleine Pause einlegen
- mich zwingen, zu essen

Ja, es ist so. Mir ist es bei Ultras eigentlich kaum möglich, feste Speisen zu mir zu nehmen.
Es stellt sich nie ein Hungergefühl ein. Gels vertrage ich gut und Cola trinken kann ich ohne Ende, so dass ich mit den Kohlehydraten fast immer gut hinkomme.

Ein 24 Stunden lauf ist tatsächlich eine andere Dimension des Laufsportes. Meine Willenskraft ist zwar oft erprobt und hat schon viele Herausforderungen überstanden.
Doch muss ich ehrlich zugeben, dass in Bernau nach der ersten und zweiten Krise die Anzahl der Stunden, die noch vor mir lagen, so niederschmetternd für meine mentale Kraft war, dass der Gedanke an ein Beenden des Laufes entstand. Das heisst, die Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit wurden für "den Kopf" zu groß!

Das kann und will ich nicht so stehen lassen. Nächstes Jahr werde ich das gerade rücken.
Wo? Das ist noch offen!
Bernau ist zwar schwer, aber es passt zeitlich gut. Ausserdem reizt es, gerade dort weiterzumachen, wo ich am Samstag abgebrochen habe!

Wenn allerdings die Zahl der startenden Staffeln noch größer werden sollte, macht es dort echt keinen Spaß mehr - es ist zu voll.

Übrigens hielt der Tag in Bernau noch weitere Höhepunkte für mich bereit.
Mir wurde erklärt, wie ich mit dem Auto in der Nacht (0:30 Uhr) von meinem Standplatz am besten weg kam. Nämlich gleich kurz vor der Messstelle rechts hoch und weiter durch das Stadtmauertor in die Stadt.
Gleich rechts vor der Messstelle war allerdings ein kleines niedriges festes Zäunchen, welches man in der Nacht ganz schnell übersah. Natürlich passierte mir genau dies.

Ein Reissen und Aufkreischen von Blech und das wars! Mein neuer Honda (3000 km) war an der rechten Seite aufgerissen. Zum Glück nur das Blech, welches über dem Längsträger liegt.
Die Tür ging problemlos und es war nichts verzogen! Glück im Unglück!

Wie es in mir, kurz nach dem Rennabbruch aber jetzt aussah, kann sich sicher jeder vorstellen.
Eine Stunde später - nicht mehr weit bis Havelberg, wo wir bei Anja übernachteten der nächste Schock. Bei ziemlich voller Fahrt entlang einer einsamen Landstrasse mitten im Wald, traten plötzlich 2 Rehe aus dem Wald hervor.
Da ich noch voll aufgekratzt war und zum Glück überhaupt nicht schläfrig, war mein Reaktionsvermögen noch so gut, dass ich zum Stehen kam, als das erste Reh gerade weg war.
Das zweite stand vor mir und schaute mich an!

Was für ein Glück für die Rehe, aber auch für uns. man stelle sich das vor....Auto an der rechten Seite aufgerissen und auch noch von vorn verbeult.
Macht das mal einer Versicherung plausibel.

Dass ich in der folgenden Nacht kaum schlief nur nebenbei - ist nach Ultras bei mir immer so.

Am Sonntag dann gegen Mittag sind wir von Havelberg nach Gotha gefahren und unser Pech wandelte sich langsam um in Glück.

Wir fuhren ja unter anderem über die A14 - übrigens völlig problemlos und störungsfrei.
Wie staunten wir, als wir am Abend die Nachrichten sahen und feststellten, das kurz danach auf der A14 die Hölle losgebrochen war.
Hagelschlag der schlimmsten Sorte und Überflutung der Autobahn! Da wäre beinahe das Dach auch noch verbeult worden!

Das hätte uns gerade noch gefehlt! Aber unser Glück war scheinbar wieder da.

Heute, 4 Tage später bin ich schon wieder 3 x gelaufen und denke über meinen nächsten Start über die 24 Stunden nach - so ändern sich die Zeiten!

Ich denke, dass ich im nächsten Jahr nach den 12 Stunden von Fröttstädt im März, nach dem langen Rennsteiglauf im Mai und nach dem Thüringenultra im Juli auch meinen zweiten Versuch über die 24 Stunden erfolgreicher bestreiten werde! __________________

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